Zwischen Januar und Februar liegt Hokkaido unter Schnee. Genau dann reisen Naturfotografen aus aller Welt in den Norden Japans. Vor Rausu sitzen Riesenseeadler auf Eisschollen, sobald das Treibeis die Küste erreicht. Bei Kushiro sammeln sich Mandschurenkraniche, und am Kussharo-See wärmen sich Singschwäne dort, wo heißes Quellwasser das Eis offen hält.
Wer diese Motive fotografieren möchte, muss sich allerdings auf zweistellige Minusgrade, vereiste Straßen und sehr kurze Wintertage einstellen.

Kurze Tage und ein kleines Zeitfenster für gutes Licht
Im Januar geht die Sonne gegen 6:40 Uhr auf. An einigen Kranichspots erscheint sie wegen der umliegenden Bergkuppen jedoch erst gegen 7:20 Uhr. Bereits um etwa 15:30 Uhr verschwinden die letzten Sonnenstrahlen.
Damit bleibt für die Fotografie nur ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster. Zwischen etwa 11 und 14 Uhr wird das Licht härter. Viele Wintertage sind dennoch sonnig, auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt.

Minus zehn Grad gelten fast schon als mild
Die Kälte ist im Winter dagegen eine verlässliche Konstante. Bei minus zehn Grad fühlt sich ein Tag in der verschneiten Landschaft vergleichsweise mild an. Bei minus zwanzig Grad kann der kondensierte Atem am Batteriegriff oder Display der Kamera festfrieren.

Gute Handschuhe sind deshalb unverzichtbar. Ganz vermeiden lässt sich die Kälte an den Händen trotzdem nicht. Wer für Auslöser oder Backbutton-Fokus einzelne Finger freihaben muss, spürt die niedrigen Temperaturen bereits nach kurzer Zeit deutlich.
Vereiste Straßen und die nehmen Zeit
Wer Hokkaido auf eigene Faust bereist, sollte zusätzliche Zeit für die Fahrten einplanen. Bei organisierten Fotoreisen berücksichtigen erfahrene Guides die winterlichen Bedingungen bereits bei der Planung.
Vor allem kleinere Orte und Küstenregionen können fest in der Hand des Winters sein. In Nemuro sind auf den Straßen Eisschichten von rund 20 Zentimetern möglich.
Auch rund um den Akan-Nationalpark gibt es diese Bedingungen. Warmes Onsenwasser, das durch Abwasserkanäle fließt, kann das Eis über Kanaldeckeln auftauen. Dadurch entstehen stellenweise tiefe Schlaglöcher in der ansonsten geschlossenen Eisdecke der Straße.


Auch die Tiere richten sich nach der Kälte
Die niedrigen Temperaturen beeinflussen nicht nur die Fotografen. Auch die Tiere passen ihren Tagesablauf an.
Bei strengem Frost starten die Mandschurenkraniche teilweise später am Morgen zu ihren Futterplätzen. Am zugefrorenen Lake Furen warten Riesenseeadler, Seeadler und Schwarzohrmilane in den Bäumen auf den Beifang der Eisfischer.



Am Kotan-Onsen fließt heißes Quellwasser in den Kussharo-See und hält einen Teil der Eisfläche offen. Dort sammeln sich Singschwäne und nutzen das warme, eisfreie Wasser bei den niedrigen Temperaturen.


Große Brennweiten gehören zum Bild
Dass viele Besucher wegen der Tierfotografie nach Hokkaido kommen, lässt sich schon an der Ausrüstung erkennen. Auf den Booten vor Rausu und an den Kranichspots stehen zahlreiche Fotografen mit Brennweiten zwischen 400 und 800 Millimetern.
Zu den beliebtesten Motiven gehören der Japanische Mandschurenkranich und der Riesenseeadler. Der Riesenseeadler ist nur während der Winterzeit auf Hokkaido anzutreffen und gehört deshalb zu den großen Anziehungspunkten für Naturfotografen.
Daneben bieten sich zahlreiche weitere Motive: Seeadler, Singschwäne, Sikahirsche, Ezo-Rotfüchse und die Ezo-Eule (Strix uralensis japonica), eine Hokkaido-Unterart des Habichtskauzes. Ein weiterer Höhepunkt ist der Riesenfischuhu (Ketupa blakistoni), der bei Rausu zu finden ist.





Fotografieren bis nach Sonnenuntergang
Wer nach mehreren Tagen bei Minustemperaturen weiterhin nicht genug hat, kann sich auf die Suche nach den Ezo-Momonga machen. Die kleinen Flughörnchen verlassen ihre Winterquartiere erst mit Anbruch der Nacht.

Damit endet ein Fototag auf Hokkaido nicht zwangsläufig mit dem letzten Tageslicht. Von Kranichen am frühen Morgen über Adler auf dem Eis bis zu Flughörnchen in der Dunkelheit bietet die Insel im Winter auf engem Raum eine außergewöhnlich große Vielfalt an Tiermotiven.
Gerade diese Kombination aus winterlicher Landschaft, anspruchsvollen Bedingungen und einer hohen Dichte interessanter Tierarten macht Hokkaido zu einem besonderen Ziel für Naturfotografen.

